De-Mail Pilotprojekt endgültig beendet

Das Ende 2009 in Friedrichshafen gestartet De-Mail Pilotprojekt wird nun zum 31.12.2011 endgültig auf Eis gelegt. Die Einwohner, Firmen und Ämter der Stadt Friedrichshafen und der Region Oberschwaben hatten über knapp zwei Jahre hinweg Zeit des System kostenlos zu testen.

Zwar war das Projekt bereits im Frühjahr 2010 offiziell für beendet erklärt worden, wurde jedoch wegen des großen Erfolgs inoffiziell weitergeführt. Natürlich dürfte auch die Tatsache eine Rolle gespielt haben, dass das System fast kostenfrei weiter betrieben werden konnte und während dessen dennoch Messwerte für das spätere bundesweite System lieferte.

Da das Pilot-System nach Angaben von United Internet bis jetzt auf einem eigenen Testserver läuft, können die Daten nicht auf das 2012 anlaufende neue System übertragen werden. Bereits angemeldete Nutzer aus Friedrichshafen und Oberschwaben haben nun bis zum 31.12.2011 Zeit ihre De-Mails und Daten zu sichern bzw. auszudrucken.

De-Mail Adresse wird übernommen:
Wer jedoch seine De-Mail Adresse weiter verwenden möchte, kann dies mit einem einfachen Anruf im Kundencenter seines Anbieters erledigen. Hierfür wird eine reguläre E-Mail Adresse des Anbieters (z.B. GMX. Web.de oder T-Online) benötigt, welche dann mit der De-Mail Adresse verknüpft wird. Des weiteren werden bei diesem Telefonat die hinterlegten Daten des Nutzers wie Geburtsdatum und Anschrift gegen geprüft, um sicherzustellen, dass die De-Mail Adresse auch mit der richtigen Person zusammenhängt.

Preise und Kosten weiterhin unbekannt:
Im erhaltenen Anschreiben werden die Pilotteilnehmer jedoch deutlich darauf aufmerksam gemacht, dass trotz einer Übernahme der De-Mail Adresse und der telefonischen Abklärung der persönlichen Daten, eine erneute Identifizierung nötig ist. Die Kosten dieser erneuten Identifizierung sollen in der Startphase vom jeweiligen Anbieter übernommen werden. Wie lange diese Startphase dauert und welche Kosten danach auf die Neukunden zukommen werden ist unbekannt. Bis jetzt gibt es weder genaue Preise für die alltägliche Nutzung des Systems noch offiziell kommunizierte Anmeldegebühren oder ähnliches.
Es bleibt also abzuwarten welche Preisstruktur die Neukunden erwarten wird. Die Beendigung des Pilotprojekts ist jedoch ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Zertifizierung der De-Mail Anbieter voranschreitet und der Deutschlandweite Start des System bevorsteht. Die Nutzer werden Anschreibe jedoch ebenfalls darauf hingewiesen, dass zwischen der Beendigung des Pilotprojekts und dem Start von De-Mail mehrere Monate vergehen können.

Bis jetzt keine bekannten Orte für Identifikation:
Offen bleibt auch weiterhin, wo sich De-Mail Nutzer in Zukunft identifizieren können. Immer noch sperrt sich die Deutsche Post gegen den Versuch die Identifizierung für das Konkurrenzprojekt De-Mail über die Postfilialen abzuwickeln. Bereits auf der IFA 2010 wurde seitens United Internet die Idee angesprochen die Identifizierung zumindest in den ersten Monaten entweder direkt beim Kunden an der Haustüre vorzunehmen oder durch extra eingerichtet „Service-Points“ an markanten Punkten wie großen Supermärkten oder in den T-Punkt Shops der Deutschen Telekom vornehmen zu lassen. Ob und wie diese Pläne in die Tat umgesetzt werden steht noch nicht fest.

Für einen umfassenden Überblick über das Thema De-Mail und E-Postbrief empfehle ich die zahlreichen Artikel zu diesem Thema in der Rubrik “De-Mail vs. Onlinebrief

E-Postbriefe aus Lotus Notes verschicken

IBM kooperiert mit der Deutschen Post und ermöglicht es in Zukunft E-Postbriefe direkt aus Lotus Notes zu verschicken.
Bevor sich jetzt aber die Leser über einen erweiterten E-Mail Client freuen, sei gesagt, dass dieser Luxus nur für Geschäftskunden gilt. Die Anbindung an Lotus Notes funktioniert nur für die Anwender, die hinter einem eigenen E-Postbrief Firmen-Server sitzen.

Somit ist diese Meldung eigentlich keine Neuigkeit. Bereits seit Beginn des Projekts ist bekannt, dass der E-Postbrief – und im übrigen auch De-Mail – für Firmen und Ämter eine Client-Anbindung haben wird.
Für Privatanwender ist solch eine Lösung aber bei beiden Systemen nicht vorgesehen bzw. im Moment noch nicht im Fokus. Für die Endverbraucher bleibt somit also alles beim Alten.

E-Postbrief mit zusätzlichem Verschlüsselungszertifikat:

Interessant scheint zu sein, dass die Kooperationspartner eine gemeinsame Lösung zur zusätzlichen Verschlüsselung planen:

“Im Bereich der Verschlüsselung planen die Kooperationspartner zudem eine gemeinsame Lösung aus E-Postbrief und Lotus Protector for Mail Encryption, welche Anwendern sowohl den gesicherten Kommunikationsweg mit bekannten Kommunikationspartnern (E-Postbrief-Nutzern) als auch eine flexible E-Mail-Verschlüsselung mittels PGP/SMIME über Lotus Protector anbietet.”

Da der E-Postbrief ein kostenloses zusätzliches Verschlüsselungszertifikat anbietet, besteht die Möglichkeit Briefe zusätzlich zu verschlüsseln. Siehe Artikel vom 25.11.2010 Da das Zertifikat und die Sicherheitscodes jedoch direkt auf Postserver (SIGNTrust) liegen, ist die Verschlüsselung nicht mit PGP oder S/Mime zu vergleichen, bei denen die Schlüssel nur der Nutzer kennt. Wie die Verschlüsselung und vor allem die rechtliche Lage sein wird, ist bis jetzt unbekannt.

Quelle Chip.de

UPDATE 5.11.2011:
Laut Twitter Account des E-Postbriefs ist eine Anbindung an MS Office auch bereits in Planung.

TagesWoche.ch – neue Hybrid-Zeitung in Basel

Seriöser Journalismus, der auf der Höhe der Zeit ist. Die TagesWoche.ch startet einen Versuch.
In Basel gibt es eine neue Zeitung. Was in der fast schon monopolartigen Medienlandschaft von Basel schon eine Besonderheit wäre. Aber es geht noch weiter. Die Zeitung bzw. die Macher gehen einen komplett neuen Weg und setzten zum Teil die Pläne um, von denen andere Zeitung nur reden. Die Zeitung erscheint sowohl kostenlos online als auch 1Mal pro Woche im Abo als gedruckte und gebundene Printversion. Hier eine kurze Zusammenfassung ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

- tägliche Nachrichten online (und zwar nur online)
- jeden Freitag eine gedruckte Version mit Hintergründen und Reportagen
- Audio und Video (cross-medial)
- unabhängig (nach eigenen Angaben)
- 4 Jahre stiftungsfinanziert (in den USA der Hoffnungsträger für seriösen Journalismus)
- auf mobile Endgeräte zugeschnitten
- per Code am Ende jedes Zeitungsartikel kommt der Handy-Nutzer zur Online-Version und kann dort kommentieren
- allgemein Web2.0 und social-media Charakter
- zumindest ein Teil der Journalisten hat persönlich Twitter und Co. (keine RSS-Schleuder)
- die Zeitung hat einen Twitter und Facebook Account
- Twitter für direkte Live-Berichterstattung (z.B. Theater-Premieren)
- trotz online bleibt der Fokus im lokalen Bereich
- Tablet Format (gebundene Seiten)

Das ganze Projekt ist also in vielerlei Hinsicht bemerkenswert und es lohnt sich meiner Meinung nach auch die nächsten Monate ein Auge darauf zu werfen. Ich drücke der Zeitung und allen Beteiligten die Daumen. Seriöser Journalismus, der technisch auf der Höhe der Zeit ist, ist dringend notwendig.

Quellen:

http://www.tageswoche.ch/

http://www.badische-zeitung.de/basel/tages-woche-hybridzeitung-erscheint-zum-ersten-mal–50994184.html

http://www.tink.ch/new/article/2011/11/01/frisch-und-handlich/

http://www.sueddeutsche.de/medien/neue-schweizer-hybridzeitung-papier-nur-freitags-1.1131806

Neue Zeitung “TagesWoche” – ZAPP Medienmagazin – NDR

http://mediafunders.net/projekt/2011/07/neue-studie-stiftungsfinanzierter-journalismus-in-den-usa-als-wegweiser-fuer-europa-5443/

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