Provokant: De-Mail und E-Postbrief machen PGP massentauglich

23. Juli 2010

Der Titel ist mit Absicht sehr provokant gewählt, doch vielleicht könnten die beiden Projekte der PGP Verschlüsselung einen Auftrieb geben, den sich die Regierung und die Post so vielleicht nicht gewünscht haben.
Lassen wir mal an dieser Stelle Fragen zu den AGB’s, wie tägliches Abrufen des Postfachs oder zeitlich unbegrenzte Speicherung meiner Korrespondenz (Quelle gutjahr.biz), ausser Acht und schau uns mal die Verschlüsselung näher an. Bis jetzt wurden beide Systeme massiv dafür gerügt, dass sie entweder die Briefe auf dem eigenen Server entschlüsseln und damit Hacker und Konsorten eine Möglichkeit zum Mitlesen bieten, oder sogar ganz die Hintertür für Ermittlungsbehörden offen lassen. Zu Recht wurden immer wieder kostenlose Verschlüsselungssysteme wie PGP oder auch OpenPGP zur Sprache gebracht. Gemeinsamer Tenor dabei war, dass es die Systeme bereits seit mehreren Jahren gäbe. Eine “Weiterentwicklung” ala De-Mail und E-Postbrief also nicht notwendig wäre und im Hinblick auf die Rechtslage und die Speicherwut der beteiligten Firmen und Ämter auch nicht wünschenswert wäre. Leider, und das musste ich selber feststellen, ist das Ausstellen eines OpenPGP Schlüsselpaars so kompliziert, dass es für ein Grossteil der E-Mail-Schreiber nie machbar und damit nutzbar ist. Mit viel lesen und einiger Erfahrung (und einem automatischen Assistenten!) habe ich es mit Mühe und Not geschafft einen Schlüssel in mein E-Mail Programm einzubinden.
Und hier kommen wir zum Grund meines provokanten Titels.
Der E-Postbrief (und theoretisch auch später De-Mail) bietet die Möglichkeit ein eigenes Verschlüsselungszertifikat in das persönliches Postfach einzubinden. Laut der FAQ sollte es dann möglich sein, per Klick auf das Kästchen “vertraulich“, sein Korrespondenz mit einem persönliche Schlüssel zu verschlüsseln.

Alle E-POSTBRIEFE werden automatisch durch das E-POSTBRIEF Portal
verschlüsselt. Sie können also von Dritten weder gelesen noch verändert
werden. Darüber hinaus können Sie vor dem Versand Ihres E-POSTBRIEFS die
Zusatzoption „vertraulich“ auswählen. So wird Ihre Nachricht beim
Versenden anstelle der standardmäßigen Verschlüsselung durch das Portal
mit dem persönlichen Schlüssel des Empfängers verschlüsselt. (Quelle E-Post FAQ)

Wenn sich das Ausstellen und Anwenden eines Zertifikats bis jetzt wegen des komplizierten Ablaufs nicht durchgesetzt hat, könnt es sich mit dieser Implementierung vielleicht (utopische Wunschvorstellung?) massentauglich durchsetzen. Der ungeübte Nutzer müsste sich “nur” ein Zertifikat ausstellen lassen, dieses in sein Postfach integrieren und auf das Kästchen “vertraulich” klicken, schon wird jeder e-Postbrief individuell verschlüsselt.
Zu Recht wird jetzt Kritik an meinen Ausführungen aufkommen, denn alle diese Überlegungen gehen von sehr vielen Idealbedingungen aus. Leichte und problemlose Implementierung eines eigenen Zertifikats, Verfügbarkeit eines kostenlosen oder zumindest günstigen Zertifikats, alle Nutzer spielen mit und holen sich Zertifikate usw. usw. usw.
Leider ist bis jetzt niemand so weit in das System vorgedrungen um meine Annahmen zu bestätigen oder zu widerlegen. Auch blieb bis jetzt eine E-Mail an die Post unbeantwortet (Überraschung?). Sollte aber die Praxis doch so einfach sein, könnten die neuen Systeme der PGP-Verschlüsselung vielleicht neuen Auftrieb geben.
Dann könnten die Ermittlungsbehörden lange durchsuchen und die Post lange speichern – alles was sie bekommen würden wären verschlüsselte Briefe.
Und vielleicht könnte damit sogar eine Sensibilisierung für das Thema in der breiten Öffentlichkeit angestossen werden.

EDIT:

Wie ich von der Deutschen Post über Twitter erfahren habe, muss es sich beim Zertifikat um SIGNTRSUT handeln. Somit wäre/ist man gezwungen sich ein Zertifiakt bei SIGNTRUST zu holen, um seine Post individuell zu verschlüsseln. SIGNTRUST ist ein Tochterunternehmen der Deutschen Post und bietet seine Produkte ab circa 50,- Euro aufwärts an.
Laut Antwort der Post ist das Zertifikat im Rahmen des E-Postbrief jedoch kostenlos und dauert 1 Woche zum ausstellen. Siehe hierzu auch http://bit.ly/bVTHjH

De-Mail und E-Postbrief – Rohrkrepierer???

23. Juli 2010

So langsam überwiegen bei De-Mail und dem E-Postbrief die Nachteile die Vorteile. Zu Beginn meiner Recherchen vor weit einem halben Jahr als kaum jemand in der breiten Twitter- und Piratenöffentlichkeit von den Systemen sprach, sah es zwar nicht uneingeschränkt positiv aus, aber gerade zu Zeiten der Pilotphasen beider Projekte waren die offiziellen AGB’s und die genaue Formulierung des De-Mail-Gesetztes noch nicht veröffentlicht.
Ich konnte darum oft nur im Internet recherchieren, zu Pressekonferenzen gehen oder bei Vortragsabenden den offiziellen Stellungnahmen der PR-Profis lauschen.
Ob die extremen Verschlechterungen, wie sie heute im Internet beschrieben werden …

gutjahr.biz /daten-speicherung.de / http://rz.koepke.net

bereits damals schon existent waren kann ich heute nicht mehr beurteilen. Zumindest waren sie so für Ausstehende nicht ersichtlich. Früher beschränkten sich die Proteste auf Vermutungen, dass wenn die Regierung an einem der Systeme beteiligt wäre, es sich ja eh um eine Volksüberwachung handeln müsste. Handfeste Beweise und schriftlich AGB’s hatte damals kaum jemand.

Doch jetzt sind wir alles etwas schlauer. Die Post will unsere Daten an Firmen verkaufen (obwohl in den FAQ’s steht, dass Daten nicht an Dritte weitergeben werden – komisch), will ausserdem Kopien unserer E-Postbriefe auf unbestimmte Zeit speichern und beide System wollen/müssen eine Hintertür für Ermittlungsbehörden offen halten. Die technische Seite wie, wann ent- und verschlüsselt wird und welche Gefahren sich hierbei durch Hacker und andere Kriminelle ergeben will ich an dieser Stelle einmal weglassen. Ihr findet dazu alles in den Quellen ob. Darüber hinaus hat De-Mail das Recht meinen Namen und meine Anschrift an Dritte weiterzugeben, wenn diese eine, in den AGB’s nicht genauer definierte, Begründung vorweisen können. Welche Begründung?
Jens Scholz frägt sich auf seiner Seite zurecht, ob solche Ideen eigentlich nur aus Deutschland kommen können. So wie ich das sehe leider nein. Bereits 2001 forderten US Politiker das Verbot von Verschlüsselungssoftware im Terrorkampf (Quelle) und mir wurde erzählt, dass eine deutsche Firma für ihre Verschlüsselungssoftware keine USA-Freigabe erhielt, weil sie keine Hintertür für Geheimdienst einbauen wollte (leider fehlt mir eine Quelle). Somit sind wir in Deutschland vielleicht noch etwas besser dran, wenn man bei normalen E-Mails und bei den neuen Systemen überhaupt noch Verschlüsselungssoftware einsetzen darf/kann.
Dennoch muss ich sagen, dass hier mal wieder eine auf den ersten Blick gute Idee mehr als versaut wurde. Komisch an dieser Stelle finde ich nur, dass De-Mail mehr oder weniger von der Regierung versaut wurde, während die Post es sich selbst durch ihre AGB’s versaut hat. Hätte hier die Post einen anderen Kurs eingeschlagen, wäre das vernichtende Urteil der IT-Experten vielleicht weniger drastisch ausgefallen. Diese Chance hatten sie wohl nicht gesehen??? Oder doch???

E-Postbrief und De-Mail Registrierung

17. Juli 2010

Wie die Registrierung genau abläuft und auf was man zu achten hat ist auf Teltarif sehr gut beschrieben. Durch die exakte Identifizierung per Ausweis kommt es logischerweise zu Verzögerungen. Ein Registrierung mit ein paar Klicks  wie bei Freemail Anbietern findet also nicht statt.

Wer Detail zu beiden Systeme will findet alles im Archiv:
De-Mail
vs. Onlinebrief

Interview zum E-Postbrief

16. Juli 2010

Bild.de hat mal wieder ein sehr aufschlussreiches Interview zum E-Postbrief geführt. “Warum ist der E-Postbrief so teuer?” Inhalt wie immer recht dürftig.

BILD: Wird ein normaler Brief bald teurer?
Gerdes: „Nein, das ist für uns derzeit kein Thema. Allerdings ist der Preis für einen Standardbrief seit 13 Jahren stabil. Das kann auf Dauer aber nicht so bleiben, wenn Löhne und andere Kosten steigen.“

Hätte da Bild.de mal in ihr eigenes Archiv geschaut, wären sie auf diesen Artikel gestossen. “Post plant Porto-Erhöhung. Breife werden teurer.”

„Der Preis für einen Standardbrief ist seit 1997 stabil, für Geschäftskunden sind die Preise sogar gesunken. Ehrlicherweise sage ich: Wir werden nicht noch mal 13 Jahre ohne Preiserhöhung auskommen,“ sagte der für das Briefgeschäft zuständige Post-Vorstand, Jürgen Gerdes, der „Süddeutschen Zeitung“. 2010 bleibe aber erst einmal alles beim Alten.

Wie öfters erwähnt wäre es durchaus möglich den E-Postbreif jetzt für den gleichen Preis wie den regulären Preis einzuführen und dann wenn sich das Projekt am Markt etabliert hat und in der breiten Öffentlichkeit bekannt geworden ist (Werbe- und PR-Strategie), den Preis für einen regulären Brief erhöhen. Dann erinnern sich vielleicht viele Kunden, dass es da ja noch eine digitale Alternative gibt und schwenken über zum E-Postbrief.

Ausführliche Infos zum E-Postbrief und De-Mail gibt es hier.
De-Mail und E-Postbrief – Fakten, Vermutungen und reelle Gefahren
Dort dann bitte auch eventuelle Kommentare schreiben. Somit bleiben die Kommentare zentral und für alle lesbar an einem Punkt.

SPAM – immer wieder lustig

16. Juli 2010

Betreff: So hat Britney Spears abgenommen!!!

Text: … Es wurde endlich ein Schlankheitsmittel entdeckt, mit dessen
Hilfe Sie sehr schnell sehr viel Kilo verlieren koennen, ohne dass Sie halb
verhungern und staendig Sport treiben muessen. …

Alkohol, Drogen und ein selbstzerstörerisches Nachtleben?
Cool! Wo kann ich mich anmelden???

Text: … Das neu entdeckte Mittel zum problemlosen Abnehmen ist so revolutionaer, es
hat es sogar in eine beruehmte TV Show geschafft! …

US Boarder Patrol?! Kommt immer im Kabelfernsehen.

Author: Bätschman Categories: Allgemein, Fun und Party Tags: