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Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

De-Mail Berichterstattung auf Niveau des Boulevardjournalismus

27. August 2010

Seit der E-Postbrief auf dem Markt ist und von Blogger und Journalisten wegen zahlreicher Mängel kritisiert wird, ist ruhig geworden um das Konkurrenzprodukt De-Mail. Ab und an erscheint mal wieder ein kleiner Artikel oder der Anwaltsverband gibt eine Stellung dazu ab.
Da kann es dann schon mal vorkommen, dass man versucht neue Inhalte zu kreieren, indem man alte Nachrichten nach Art des Boulevardjournalismus neu aufarbeitet. So geschehen u. a. bei mobile2day.de. Klassisch zeichnet die Überschrift ein Bild als ginge das Internet-Abendland unter. „De-Mail: Anbieter können Postfach einsehen“ ist in grossen Buchstaben zu lesen als hätte man die Neuigkeit schlecht hin gefunden. Wer sich allerdings mit dem Thema De-Mail etwas näher beschäftigt erkennt schnell, dass der Inhalt kaum hält, was der Titel verspricht. In einer kleinen Zusammenfassung, die grob geschätzt 80 Prozent des Artikels einnimmt, erfährt der Leser welche Kritikpunkte beim De-Mail Projekt seit Monaten im Internet breit getreten werden. In den letzten 20 Prozent wird dann versucht neuen Inhalt zu kreieren.

„mIT Sicherheit” empfiehlt deshalb, vor Abschluss eines De-Mail-Vertrages die Nutzungsbedingungen der vom BSI zertifizierten Anbieter zu vergleichen. Kritisch sollte man darauf achten, ob sich der Anbieter eine regelmäßige Einsicht in das Postfach vorbehält oder nicht.

Interessant ist, dass meines Wissen bis jetzt noch gar keine endgültigen AGB veröffentlicht wurden. Da das De-Mail Projekt noch gar nicht gestartet ist, gibt es wenn überhaupt nur Übergangs-AGB. Von dem her kann mobile2day.de noch gar nicht wissen ob, wie und das Anbieter es sich vorbehalten ins De-Mail Postfach zu schauen. Dass das von Seiten des Anbieters natürlich unverschämt und absolut kritikwürdig wäre, lassen wir an dieser Stelle mal aussen vor. Aber mobile2day.de scheint das System von De-Mail noch nicht ganz verstanden zu haben. Wir erfahren weiter:

„Nicht akkreditierte Provider seien am besten zu meiden.“

Liebe mobile2day.de mIT Sicherheit, „nicht akkreditierte Provider“ erhalten gar keinen Zugang zum De-Mail System. Das System ist in sich geschlossen und nur wer akkreditiert ist darf auch mitmachen. Das ist nämlich kein normales E-Mail System. Aber dies scheint mobile2day.de dann doch auch zu wissen:

Grundsätzlich aber sollte De-Mail nur für den tatsächlich rechtlich relevanten externen Mail-Verkehr verwendet werden. Insofern ersetze dieses Kommunikationsmittel die alltägliche Mail nicht.

Wer natürlich 9-20 Cent* ausgeben will um sich zum Kaffee zu verabreden, darf auch gerne De-Mail verwenden. Die beteiligten Firmen hätten sicherlich nichts dagegen. Aber jeder Nutzer wird sicherlich erkennen, dass er De-Mail nur dann nutzen wird, wenn es für ihnen einen Vorteil bringt.
Also mobile2day.de mIT Sicherheit, das nächste Mal würde ich es mir als Leser dann doch wünschen, dass man neue Informationen erfährt und nicht längst bekannte Fakten zu einem IT-Boulevardjournalismus zusammen mischt.

* bisher wurde immer von 9-20 Cent pro De-Mail gesprochen. Auf Horizont.de ist jetzt (27. August 2010) zu lesen, dass GMX und Web.de den De-Mail Dienst eventuell kostenlos anbieten wollen.

Edit:
Wie auf Twitter festzustellen war, wurde die Nachrichten von anderen Seiten wortgleich abgedruckt. mobile2day.de war also nicht die einzige Seite. Von dem her treffen meine Argumente nicht ganz zu. Die Originalnachricht stammt von www.mit-sicherheit.de

E-Postbrief Pressekonferenz 2.0 – Die Post äussert sich zu Kritikpunkten

26. August 2010

Deutsche Post steht nach heftiger Kritik im Internet per Web-Konferenz Rede und Antwort zum E-Postbrief. (25.08.2010)
Die Deutsche Post bemerkte seit dem Start des E-Postbrief am 14. Juli, dass doch nicht alles so reibungslos verläuft wie es sollte. Technische Probleme, Fragen zur Datensicherheit und komplizierte Formulierungen in den AGBs haben das Internetvolk auf die digitalen Strassen getrieben. Mit Twitter-Fackeln und Blog-Heugabeln marschieren sie in Richtung Deutsche Postzentrale. Da ist es nur verständlich, dass die Deutsche Post ihr neuestes Kind den E-Postbrief schützen möchte. Aus diesem Grund lud sie Blogger und Journalisten zur Web-Pressekonferenz am heimischen PC ein. Vorab konnte man viel böse Worte im Internet lesen, dessen Autoren keinen Hehl daraus machten, dass die den E-Postbrief und prinzipielle alle „Rettungsversuche“ der Deutschen Post kategorisch ablehnen. Dieser Fundamentalopposition möchte ich mich nicht anschliessen. Aufklärung steht im Mittelpunkt und nicht Verurteilung.
Dr. Georg Rau Chef des E-Postbrief bei der Deutschen Post stellte sich auf der Web-Konferenz den zahlreichen Fragen der Blogger und Journalisten. Obwohl die Fragen teilweise im Vorfeld per E-Mail eingereicht werden konnten, reichten rund 90 Minuten nicht aus, um alle Fragen zu beantworten. Dies zeigt deutlich, dass noch einige Punkte der Klärung bedürfen. Dr. Georg Rau gab sich jedoch alle Mühe und stand den Bloggern und Journalisten Rede und Antwort.

Registrierung, Technik und Fehler:
Als erstes entschuldigte sich Dr. Rau für technische Fehler, Browserabstürze und verzögerte Registrierungen. Dies sei jedoch der Startphase des E-Postbriefs zuzuschreiben und soll sich ab Anfang November ändern. Dann sollen sich Nutzer auch direkt und ohne Adress-Tan als Zwischenschritt anmelden können. Vermutlich wird dann am Ende das Anmeldeprozesses die Post-ID direkt zum ausdrucken bereitgestellt, welche dann nur noch bei der Post angegeben werden muss. Somit würde ein Registrierungsschritt entfallen. Sollte die Nachfrage vorhanden sein, könnte sich Dr. Rau auch vorstellen, dass in mittelfristiger Zukunft der neue Personalausweis für die Registrierung benutzt werden kann. Jedoch gibt es auch bei dem neue Ausweisdokument Kritik zur Datensicherheit, auf die an dieser Stelle nicht eingegangen werden sollen.
Weitere Stabilität in der Anwendung des Onlineportals sollen auch immer wieder neue Software-Updates bringen, die vom Nutzer unentdeckt circa alle 14 Tage aufgespielt werden, so Dr. Rau.

Adresshandel findet nicht statt:
Heiß wurde in den letzten Wochen die Möglichkeit diskutiert, dass die Deutsche Post auf Grund der AGBs, welche man ja mit der Registrierung annimmt, Nutzerdaten weiter gibt oder sogar Handelt damit triebt. Diese Vermutung wurde von Dr. Rau ganz klar verneint.
Als Firma (z.B. Versicherung) besteht jedoch die Möglichkeit eine Art Adressenabgleich durchzuführen bzw. bei der Deutschen Post anzufragen, ob eine Kunde eine E-Postbriefadresse besitzt. Dabei hat aber die Firma keinen direkten Zugriff auf die Datenbank, sondern muss bei der Deutschen Post anfragen. Auf Nachfrage der Konferenzteilnehmer wie dann nach erwünschter und unerwünschter Post (SPAM) unterschieden werde könnte verwies Dr. Rau auf die gesetzliche Regelung, nach denen SPAM grundsätzlich illegal ist. Sollte also eine Firma unerwünschte Werbung schicken, so muss der Kunde diese Firma melden (siehe auch Twitter). Die Post baut also auf Mitarbeit der einzelnen Nutzer und nimmt sich das Recht heraus, diese Firma dann im Notfall komplett zu sperren. SPAM ist somit technisch durchaus möglich, kann aber danke Identifikation gemeldet werden. Böse Zungen könnten jetzt natürlich die Frage stellen, in wie weit die Post eine grosse Firma wie z.B. eine Versicherung sperren würde, wenn diese wegen SPAM gemeldet wird? Könnte eine Firma sich hier über finanzielle Macht SPAM „erpressen“?

POP3, Einbindung in der Work-flow und Nutzerfreundlichkeit:
Kundenfreundlichkeit wird belohnt. Dies hat auch die Deutsche Post verstanden. Doch leider gibt es bis jetzt keine Möglichkeit den E-Postbrief komfortabel zu Hause auf dem heimischen Rechner per Mail-Client à la Outlook o.ä. zu empfangen und zu versenden. Um die Sicherheit des Systems und der Nutzer zu gewährleisten sind solche Ideen zwar mittelfristig in Planung, müssen aber auf nächstes Jahr verschoben werden. Knackpunkt ist hier die Unsicherheit bzw. die Gefährdung des Systems durch Viren und Trojaner, welches sich eventuell auf dem Computer des Nutzers befinden könnten. Dr. Rau betonte, dass nutzerfreundliche Anbindungen, unter anderem auch mobile Apps, sich aber auf der mittelfristigen Agenda befänden. Schutz des Systems sei aber höchstes Gebot.

Anbindung De-Mail Fehlanzeige:
Alle die sich hier Hoffnung gemacht habe wurde enttäuscht. Die Deutsche Post will erstmal abwarten in welche Richtung sich das De-Mail Projekt entwickelt, bevor sie plant dort Verbindungen zu knüpfen. Die Post war ja De-Mail Teilnehmer der ersten Stunden, hatte sich dann aber entschlossen ihr eigenes Konzept auf die Beine zu stellen. Die Vorteile liegen auf der Hand. Man ist sein eigener Herr und muss auf keinen Rücksicht nehmen oder warten bis Gesetze verabschiedet sind. Man unterwirft sich mit seinem Produkt den Regelungen des freien Marktes und vertraut auf sein Konzept. Nicht um sonst wird die Deutsche Post ihren E-Postbrief deutlich vor dem De-Mail auf den Markt gebracht haben. Es geht hier schliesslich um Geld und um Marktanteile.

Datensicherheit und Datenschutz beim Hybridbrief:
Einer der Knackpunkt des Hybridbriefs war bzw. ist das Ausdrucken. Ein per Hybridfunktion verschickter Brief wird von der Deutschen Post ausgedruckt und einkuvertiert. Hierbei bestände rein theoretisch die Möglichkeit, dass eine Postangestellter oder auch ein „Polizist“ den Brief abfängt und liest. Dies soll jedoch, so Dr. Rau, durch interne Kontrollen und voll automatische Druckvorgänge mit Hochgeschwindigkeit verhindert werden. Ein Punkt der sehr interessant ist, wird er doch von vielen Internetnutzern als einer der ganz grossen Fehler des Systems gesehen. Was vielleicht viele nicht wissen, ist das gerade grosse Firmen, aber auch mittlerweile einige KMU, externe Subunternehmer beschäftigen, welche das Drucken und Verschicken von Lohnabrechnungen, Rechnungen und sonstigen Briefen übernehmen. Wir denken nur zu gerne, dass die Briefe, welche wir erhalten von der Sekretärin persönlich zugeklebt worden sind. Ein Grossteil der Briefe, die wir erhalten wurde aber auf genau die gleiche Art verschickt, wie es die Deutsche Post machen will. Komischerweise stört das aber niemanden.
(siehe hierzu zwei ältere Artikel – Quelle 1Quelle 2)
Was das Thema Briefgeheimnis angeht, so steht seit längerem fest, dass der E-Postbrief schlicht und einfach nicht dem Briefgeheimnis, sondern nur dem Telekommunikationsgeheimnis unterliegt und damit nicht so gut vor staatlicher Kontrolle geschützt ist wie ein regulärer Brief (siehe auch Twitter). Dr. Rau betonte, dass es nur mit einen richterlichen Beschluss möglich sei, Briefe und auch E-Postbriefe einzusehen. Ausnahmen bildeten Anordnungen des Staatsanwalts auf Grund schwerer Verbrechen oder bei „Gefahr im Verzug“. Somit unterscheidet sich der E-Postbrief rechtlich nicht von einem gewöhnlichen E-Mail.
Ob dies nun für den einen oder anderen Nutzer sicher genug ist, muss jeder für sich selber entscheiden. Spannend wird es, wenn bei Gerichtsverhandlungen die ersten E-Postbriefkonten (oder auch De-Mail Konten) als Beweise vorgelegt werden.
EDIT: Wie ich über Twitter erfahren habe, unterliegt der E-Psotbrief ab dem Ausdrucken bei der Deutschen Post dem Briefgeheimnis. Zitat DP: “Beim klassischen Versand unterliegt der E-POSTBRIEF ab dem Ausdrucken dem Briefgeheimnis, bis dahin fällt er unter das TKG.”

Verschlüsselung per Zertifikat:
Wem das alles aber noch zu unsicher ist, der erhält die Möglichkeit seine E-Postbriefe durch ein persönliches Zertifikat zusätzlich zu verschlüsseln. Leider sind hier einige Punkte noch nicht ganz klar. Und eine wichtige Frage meinerseits wurde sogar komplett verweigert. So ist z.B. unklar, ob es sich um eine sichere asymmetrische Verschlüsselung handelt und wo genau die Schlüssel gespeichert werden. Fakt ist, dass jeder E-Postbriefkunde ein kostenloses Zertifikat über das E-Postbriefportal anfordern kann. Er erhält dann ein Passwort, mit dessen Hilfe er die an ihn adressierten E-Postbriefe entschlüsseln kann. Damit ein andere E-Postbrief Kunde nun seinem Kommunikationspartner einen verschlüsselten E-Postbrief schicken kann, benötigt dieser nicht nur ein Zertifikat sondern auch den öffentlichen Schlüssel des anderen Empfängers. Diesen findet er im Adressverzeichnis des E-Postbriefs. Was die Deutsche Post vergessen hat zu sagen, ist dass wenn man ein Zertifikat beantragt hat, man automatisch mit Namen und öffentlichem Schlüssel im öffentlichen Adressverzeichnis auftaucht. Um dort wieder gelöscht zu werden, muss man das Zertifikat ebenfalls löschen. Von dem her sieht es nach einer asymmetrischen Verschlüsselung à la PGP aus. Doch leider wurde mir die Antwort verweigert, wo genau der Schlüssel gespeichert wird und ob der Schlüssel auf richterlichen Beschluss offen gelegt werden muss. Fakt ist, dass der individuelle Schlüssel bei Verlust nicht wieder hergestellt werden kann und alle verschlüsselten Dokumente für immer verschlüsselt bleiben. Leider lässt die Antwort von Dr. Rau komplett offen, ob Ermittlungsbehörden dennoch Zugriff auf den Schlüssel erhalten. Eine direkte Anfrage bei SIGNTrust ergab, dass diese nur das Zertifikat bereitstellen. Die Schlüsselgenerierung jedoch bei der Deutschen Post bzw. beim E-Postbrief liegt:

Die entsprechenden E-Postbrief-Zertifikate werden von uns ausgestellt,nachdem wir vom E-Postbrief-System entsprechende Zertifikatsrequests erhalten haben. Die Schlüsselgenerierung und das Schlüssel- und Zertifikatsmanagement erfolgt also nicht durch uns.

Diese Aussage würde bestätigen, dass der E-Postbrief Server gleichzeitig der Schlüsselserver ist. Was meines Wissens nach die PGP Idee komplett aus hebelt. (siehe hierzu Kommentar von Bernd)
EDIT: Ich habe ein Zertifikat beantragt (Bearbeitungsdauer circa 1 Woche – Gültigkeit 5 Jahre). Dazu musste ich ein neues Passwort im Onlineportal eingeben, welches jetzt vermutlich mein Entschlüsselungspasswort ist. Da ich es im Onlineportal eingegeben habe kennt es der E-Postbrief Server. Eine Fussnote machte mich darauf aufmerksam, dass dieses Passwort nicht wieder herstellbar wäre, sollte ich es vergessen. Jetzt wäre es natürlich sehr fragwürdig, sollte das Passwort auf dem Postserver liegen und im Ernstfall für Richter zugänglich sein, der Kunde es aber bei Verlust nicht mehr abfragen könnte. Da die Deutsche Post hierzu schweigt, können nur Vermutung aufgestellt werden. Ich denke kaum, dass das Passwort nach Ausstellung des Schlüsselpaars vom Server komplett gelöscht wird um eine echte PGP Verschlüsselung zu gewährleisten. (Zusatzinfos werden gerne entgegen genommen)

Datenspeicherung und Vorratsdatenspeicherung:
Dr. Rau versicherte, dass Daten und E-Postbriefe nur solange gespeichert werden, wie dies vom Kunden gewünscht wird. E-Postbriefe, welche gelöscht wurde, werden mit minimaler Verzögerung auch im Backup System gelöscht. Wie grosse diese Verzögerung ist, konnte Dr. Rau jedoch nicht sagen. Darüber hinaus findet eine der Vorratsdatenspeicherung vergleichbare Speicherung nicht statt. So die Aussagen von Dr. Georg Rau. Im Internet gibt es bereits die ersten kritischen Kommentare zu dieser Aussage, dass wenn die Vorratsdatenspeicherung dann unter Umständen doch wieder eingeführt wird der E-Postbrief ebenfalls davon betroffen ist. Hier finde ich wichtig zu sagen, dass die ein rechtliches Problem ist. Die Deutsche Post dafür zu kritisieren, dass sie sich an das deutsche Gesetz hält finde ich an dieser Stelle sehr extrem. Wer keine Vorratsdatenspeicherung will muss ins Ausland abwandern. Dort warten aber schon FBI und Co., was die Situation auch nicht besser werden lässt. (leicht ironisch gemeint)

Leerung des Postfachs:
Wie zu erwarten fand zwar kein Widerruf der AGBs zu diesem Punkt statt, jedoch konnte man meiner Meinung nach heraushören, dass es der Post so ziemlich egal ist wie oft man sein E-Postbrief Postfach leert. Hier trifft also wie es zu erwarten war Realität auf juristische AGBs. Jeder Nutzer ist selbst verantwortlich wie oft er in sein E-Postbrief Postfach schaut. Und für den Notfall gibt es immer noch eine kostenloses SMS Benachrichtigung.
Die Eigenverantwortung kommt auch zum Tragen, sollte ein Nutzer länger Urlaub machen. Nach Dr. Rau ist es im Gegensatz zu den Formulierungen in den AGB erlaubt seine Login Daten an vertrauenswürdige Freunde weiterzugeben. Diese können dann während der Abwesenheit das Postfach kontrollieren und gegebenenfalls Eingänge melden. Ob man jedoch dem Nachbar sein Codewort verraten will, womit dann dieser z.B. auch die letzten Blutwerte o.ä. einsehen kann, sei jedem selber überlassen. Dann doch lieber bei SMS Benachrichtigung ins Internet-Cafe.

Firmen:
Firmen sollen zukünftig eigene E-Postbrief Adressen erhalten, die dann auch in einem gewissen Rahmen frei gewählt werden können. Als Beispiele wurden presse@[firma].epost.de oder max.mustermann@[firma].epost.de genannt.

Regulärer Brief oder doch lieber digitaler Brief:
Ab November sollen Kunden welche die Postadresse eines Empfänger eingeben automatisch gefragt werden, ob sie lieber eine digitale E-Postbrief schicken möchten, sollte der Empfänger eine E-Postbrief Adresse haben.
Ein Teilnehmer brachte die Frage auf ob ein regulärer Brief mit der E-Postadresse adressiert werden könnte und dieser dann als digitale Version im E-Postbrief Postfach landen würde. Laut Dr. Rau wird jedoch diese „Scan-Dienstleistung“ erst auf langfristige Zeit angeboten werden. Interessant war jedoch, dass auf einer Powerpoint Folie, welche zu Beginn der Pressekonferenz gezeigt wurde, genau dieses Szenario per Pfeilschaubild gezeigt wurde. Hier wurde wohl Folien der „5-Jahres-Strategie“ einfach per Copy-Paste in die Pressekonferenz eingebunden.

Keine durchgängige Verschlüsselung?:
Eine, wie ich finde wichtige Frage, wurde leider auch komplett weggelassen.
Wie ich gesehen habe gibt es eine Art „Quarantäne-Station“ für mit Viren u.ä Schadprogrammen verseuchte E-Postbriefe. E-Postbriefe welche als gefährlich eingestuft wurden landen automatisch in diesem „SPAM-Ordner“. Um die E-Postbriefe jedoch “scannen” zu können, müssen sie, wie bei De-Mail, auf dem Server zumindest kurz entschlüsselt werden. Die Deutsche Post behauptet jedoch, dass der E-Postbrief vom Sender bis zum Empfänger durchgängig verschlüsselt wird. Beide Aussagen passen meines Wissens nach nicht zusammen. Somit würden hier die gleichen Kritikpunkte zum tragen kommen, wie auch bereits bei De-Mail. Eine Entschlüsselung auf dem Server würde Hackern eine mögliche Angriffsstelle bieten und das System somit weniger sicher machen.

Hacker und die Sicherheit:
Um die Sicherheit gerade vor kriminellen Hacker zu gewährleisten beschäftigt die Deutsche Post ebenfalls Hacker (andere würden Sicherheitsbeauftragte dazu sagen), welche die Aufgabe haben mit vorgetäuschten Angriffen Schwachstellen im System zu finden.

Der E-Postbrief bei Behörden:
Leider konnte Dr. Rau kein Angaben machen, wann der E-Postbrief auf staatlicher Ebene eingesetzt werden wird. Man sei zwar auf Bundes- und Länderebene im Gespräch und habe auch schon Kontakt zu Kommunen aufgenommen, jedoch könnte man noch keine konkreten Pläne kommunizieren. Jetzt stellt sich natürlich die Frage warum ein Amt (Land oder Kommune) lieber den E-Postbrief nutzen sollte, wenn der grosse Bruder (Bundesebene) das Konkurrenzprodukt De-Mail an den Start bringt. Meiner Meinung wird man hier eine horrizontale „zweiklassen“ Kommunikation erleben. Ämter, Firmen und einige Privatleute werden De-Mail nutzen, Firmen und Privatleute werden den E-Postbrief nutzen und ganz wenige werden beide Systeme nutzen. Die Akzeptanz der Systeme wird mit den beteiligten Firmen stehen und fallen. Der Privatnutzer wird sich dem Produkt zuwenden, welches für ihn die meiste Kommunikation abdeckt. Der Nutzer wird sich dabei die Frage stellen, mit wem er mehr kommuniziert.

Änderungen der AGB:
Leider wurden Änderungen in den AGB vorerst abgelehnt. Änderungswünsche sollen jedoch gesammelt werden und als Komplettpaket in unbestimmt Zeit in die AGB einfliessen.

Fazit dieser Pressekonferenz:
Mein Fazit dieser Pressekonferenz fällt, wenn auch durchwachsen, positiv aus. Die Deutsche Post stellte sich der Kritik und versuchte einige Kritikpunkte zu entschärfen. Leider gelang ihr das, gerade im Hinblick auf die Verschlüsselung, meiner Meinung nach nicht vollständig. Dennoch sei vermerkt, dass das Gesamtbild des E-Postbrief deutlich klarer ist als zu Beginn. Hier dürfen sich wohl Blogger und Internet-Journalisten auf die Schulter klopfen.

Weitere Quellen:
E-Postbrief – eine neutrale Pro&Kontra Liste
Erste Eindrücke: #ePost-Webkonferenz – Die Post stellt sich den Usern
Deutsche Post steht Rede und Antwort zum E-Postbrief (Bericht von der Web-Konferenz am 25.08.2010)
Der ePost-Brief: Post AG stellt sich Fragen aus dem Netz

P.S.: Wie immer gilt, dass ich kein Geld o.ä. für diesen Beitrag erhalten und in keinem Lohnverhältnis zur Deutschen Post und den angebenden Firmen stehe. Sollte ich etwas falsch zitiert oder verstanden habe, so kann das per Kommentarfunktion gern vermerkt werden.

Author: Bätschman Categories: Allgemein, De-Mail vs. Onlinebrief Tags:

Heavy Twitter – alles was zu lange für Twitter ist

24. August 2010

Da ich seit einigen Wochen aktiv auf Twitter bin, ist mir aufgefallen, dass 140 manchmal einfach zu wenig sind um einen Sachverhalt sauber darzustellen. Bei manchen Nutzer bin ich auf Twitlonger und ähnliche Anbieter gestossen. Da ich mich aber nicht nochmal bei einem weiteren Dienst anmelden möchte, habe ich mich dazu entschlossen Texte die zu lang für Twitter sind hierher bzw. in die Kategorie “Heavy Twitter” umzuleiten. Danke dem Plugin “Advanced Category Excluder” werden diese Beiträge dann nicht hier auf der Startseite angezeigt.

Da ich weiss, dass es eine ungeschriebene Regel gibt, nach der man besser einen richtigen Blogeintrag schreiben soll, wenn Twitter für den Inhalt einer Aussage nicht ausreicht, werde ich versuchen diese Kategorie so wenig wie möglich zu nutzen.

Wie ist eure Meinung??? Lieber Dienste wie Twitlong und Co. nehmen oder die zu langen Texte mit einer eigenen Seite managen?

Author: Bätschman Categories: Allgemein, Internet und Co. Tags:

DE-Mail bringt ZF Friedrichshafen 1 Millionen Euro Einsparungen

16. August 2010

De-Mail soll nach dem Willen der Regierung und der beteiligten Firmen, dass E-Mailversandsystem der Zukunft für sicheren und rechtsverbindlichen E-Mailverkehr werden. So weit so gut ist das im Moment nur ein Wunsch und ein Plan. Trotz erfolgreichem Pilotprojekt in Friedrichshafen am Bodensee gibt es immer noch genügen offene Fragen, gerade zur Sicherheit und zum Datenschutz sind einige Punkte noch ungeklärt oder sogar mehr als fragwürdig.

Schaut man jedoch hinter die Kulissen wird es interessant. Die ZF* Friedrichshafen steht dem Projekt De-Mail mehr als offen gegenüber. Als Pilotprojektteilnehmer der ersten Stunde möchte die ZF Friedrichshafen in Zukunft alle Endgeldabrechnungen per De-Mail verschicken und erhofft sich so Einsparungen von 1 Millionen Euro pro Jahr alleine in Deutschland. Als Prestigeteilnehmer am Pilotprojekt wurden die Umrüstungskosten zum grössten Teil von T-City übernommen. Die weiteren IT-Investitionen von 150000 Euro, welche von der ZF selber aufgebracht werden mussten, können bei einem weltweit operierenden und Millionen schweren Unternehmen salopp formuliert aus der Kaffeekasse gezahlt werden. Somit bringt das De-Mail Projekt der ZF Friedrichshafen eigentlich nur Vorteile. Nach einer ersten Umfrage würde 90% der Mitarbeiten das Versandsystem nutzen. Diese Zahlen mussten jedoch nach der ersten Erprobung leicht nach unten korrigiert werden. So sollen heute nur runde 70% bereit sein die monatliche Lohnbrechung per De-Mail zu erhalten. Der Rückgang der ersten Euphorie ist wohl dem ersten Interesse für eine neues Produkt zuzuschreiben, welche dann nach einer Zeit wieder nachlässt. Da das Unternehmen jedoch weltweit aktiv ist, soll das De-Mailsystem nach dem Wunsch der ZF auch bald möglichst weltweit eingesetzt werden. Geht es nach der ZF soll das De-Mailsystem also keine deutsche Insellösung bleiben. Ob dies jedoch möglich ist, wird die Zeit zeigen. Da das De-Mail erst Ende 2010 offizielle an den Start geht, dürfte es mehrere Jahre dauern bis das Ausland auf den Zug aufspringt. Jedoch dürfte auch das französische Unternehmen Dornier diesen Schritt befürworten. Wie die ZF gehört auch die Immenstaater Niederlassung zu den Teilnehmern des Pilotprojekts. Da die Lohnbrechungen des Unternehmens zum grössten Teil jedoch aus Frankreich kommen, ist hier eine Verwendung des De-Mailsystems vorerst sehr schwierig bis nahezu ausgeschlossen.
Im Falle der ZF Friedrichshafen geht man sogar noch einen Schritt weiter. Im Sinne der Kostenersparnis sollen in Zukunft ausnahmslos alle Lohnbrechung per De-Mail verschickt werden. Wer das nicht möchte oder keinen Computer besitzt, soll seinen Lohnzettel dann in ausgedruckter Form im Lohnbüro abholen dürfen. Diese radikalen Änderungspläne würde die ZF unabhängig von externen Dienstleistern machen, welche bisher für den Versand der Lohnbrechungen verantwortlich waren. Mit Kosten für Dienstleistung und Porto fallen hierbei über 1 Euro pro verschickter Lohnabrechnung an. Würde komplett auf das De-Mailsystem umgestiegen wären die Einsparungen bei einem vermuteten Preis von 9-20 Cent pro De-Mail enorm.

Wie ein Blick in das Adressverzeichnis zeigt, könnte auch weitere Firmen wie die Gothaer Versicherung, verschiedene Banken und Personaldienstleister von den Einsparungen profitieren. Somit ist die Behauptung De-Mail würde helfen Firmenkosten einzusparen nicht von der Hand zu weisen.

Update:
Die Idee in Zukunft alle Endgeldabrechnungen nur noch per De-Mail zu verschicken dürfte jedoch nicht so leicht durchzusetzen sein. Nach Gesprächen mit einem aktiven Betriebsrat aus einem von der Grösse und dem Personal vergleichbaren Unternehmens wurde klar, dass bei einer so weitreichenden Entscheidung der Zustimmung des Betriebsrates benötigt wird. Diese dürfte jedoch sehr schwer zu bekommen sein, da hier eine deutliche Benachteiligung der Arbeitnehmer ohne De-Mail zu befürchten ist. Da aber im Moment noch alles unbestätigte Vermutungen sind bleibt abzuwarten, wie De-Mail sich nach dem offiziellen Start in den work-flow der grossen Unternehmen einbetten wird. Gerade auch mit dem Hinblick, dass SAP und andere grössere Firmen sich zur Zusammenarbeiten mit der von der Deutschen Post lancierten E-Postbrief entschlossen haben.

* Zahnradfabrik Friedrichshafen – grosse weltweite Firma für qualitativ hochwertige Getriebe aller Art.

Author: Bätschman Categories: Allgemein, De-Mail vs. Onlinebrief Tags:

Datenschutz – es ist nie das Gleiche wenn zwei das Selbe machen

13. August 2010

De-Mail und der E-Postbrief werden für etwas kritisiert, was andere Firmen schon lange machen.
Sehr interessant. Seit die Post ihren E-Postbriefe und die Bundesregierung ihr De-Mail veröffentlicht haben hagelt es bei Twitter und in der Blogssphäre Proteste, dass die Schwarte kracht. Eine sehr grosser Punkt dabei ist der Datenschutz besser gesagt der fehlende Datenschutz gerade beim Hybridbrief. Also die Briefvariante, bei der ein digitaler Brief von der Post ausgedruckt wird und für eine Gebühr von aktuell 55 Cent (De-Mail hat noch keine Preise veröffentlicht) an eine reguläre Postadresse geliefert wird.
Der vielleicht berechtigt Kritikpunkt dabei ist, dass theoretisch jeder Mitarbeiter der Post diesen Brief beim Ausdrucken lesen kann. Datenschutz ist also nicht wirklich gegeben. Darüber hinaus muss sich bei beiden Modellen der Nutzer mit Ausweis registrieren. Eine Anonymisierung findet also ebenfalls nicht statt. Kritiker stören sich entweder an der Anmeldepflicht oder am fehlenden Datenschutz oder an beidem in Kombination. Darüber hinaus zweifelt die Internetgemeinde, dass der SPAM-Schutz wirklich so 100%ig funktioniert, wie er von den beteiligten Firmen angepriesen wird. Soweit ist gibt es erstmal nichts neues zu vermelden.

Interessant wird es aber wenn man sich im Internet etwas genauer umschaut. Denn was ich auch nicht wusste, ist dass das Geschäft mit den Hybridbriefen in exakt gleicher Form bereits seit längerem von diversen Firmen angeboten wird. Sowohl ediPost, über ich selber einen längeren Artikel geschrieben haben, wie auch letterei.de und quabb.com bieten diesen Dienst an. Bei quabb.com und bei ediPost muss man sich darüber hinaus ebenfalls mit Ausweis registrieren. Und wie bei der Post kosten auch hier die Briefe Portogebühren, die im Falle vom ediPost sogar höher liegen als die der Deutschen Post. Bei quabb.com übernimmt das Porto ein „Sponsor“, welcher dafür jedoch dem selber verfassten Brief einen Werbebrief beilegen darf. Bild.de titelte auf Grund des kostenlosen Briefsversands sogar: „Die Gratis-Post im Internet“. Kaum scheint etwas kostenlos zu sein werden Datenschutzbedenken und Werbesensibilität auf Null gestellt.

Liebe Twitter- und Bloggemeinde – Warum zerreisst sich jeder der retweeten kann und jeder Datenschützer das digitale Maul über De-Mail und den E-Postbrief, lässt aber diese bereits existierenden Firmen vollkommen in Ruhe. Diese Firmen machen aus meiner Sicht genau das gleich wie die Deutsche Post und De-Mail, sind aber nie durch eine Zertifikat o.ä. kontrolliert worden. Auch wenn man der Regierung nicht wirklich vertraut, so ist der Versuch De-Mail Provider per Zertifikat zu überprüfen zumindest der Versuch das System etwas abzusichern. Dieses findet bei genannten Firmen nicht einmal im Ansatz statt. Alles was bleibt sind das Image und die Versprechen auf den jeweiligen Homepages. Aber das scheint bei den Kritikern niemand gross zu stören. Aber bei De-Mail und dem E-Postbrief die grossen Geschütze auffahren? Findet ihr das nicht etwas einseitig?
Darüber hinaus schicke ich bei quabb.com meinen Freunden und Kollegen sogar noch absichtlich Werbung ins Haus, nur damit ich mir das Briefporto von 55 Cent spare. Soviel zum Thema SPAM.

Natürlich wird jetzt der eine oder andere sagen, dass alle genannten Firmen lediglich Dienstleister sind die ihre Produkte freiwillig anbieten. Meiner Meinung ist das bei De-Mail und dem E-Postbrief aber genauso. Niemand wird gezwungen das System zu nutzen. Vermutungen eine De-Mail Adresse wird irgendwann Pflicht für alle Bürger halte ich für mehr als übertrieben und ausserdem absolut unrealistisch. Das einzige was sich unterscheidet sind die Werbefeldzüge. De-Mail und Co. sind mit einer gigantischen Werbestrategie an den Markt gegangen und erhalten dementsprechend Aufmerksamkeit. Aber dennoch sollte man auch mal schauen, was im Verborgenen geschieht.

Wie immer gilt, dass wenn ich mich irren sollte oder ich etwas falsch verstanden habe, dies in den Kommentaren gern vermerkt werden darf.

P.S.: quabb.com bietet mit seinen Dienstleistungen aber noch mehr. Signierte E-Mails (ja richtig gelesen), Briefe, Adressbuch und Faxe machen das Unternehmen fast zu einem 100%igen Konkurrenten der Deutschen Post. Ähnliches gilt für ediPost. Auch dieses Unternehmen bietet Faxe, SMS und Telegramme an.

Update:
Damit ich keine Firma bevor- oder benachteilige hier noch ein Link auf Welt.de. Die Zeitung hat ein paar Online-Briefportale getestet: www.welt.de