Kritik am Chaosradio-Podcast zu De-Mail und E-Postbrief

29. Juli 2010

Ich weiss, dass ich mir mit folgendem Artikel sicherlich den Unmut einiger Leser einhandle, aber nachdem bei Twitter viel über das Radiointerview bei Chaosradio bzw. Fritz.de getwitter wurde, habe ich mir den Podcast auch mal angehört und muss ehrlich zugeben, dass ich aus mehreren Gründen leicht enttäuscht bin. Zum einen muss ich sagen, das das Interview vom journalistischen Standpunkt her mehr als fragwürdig war. Mir wurde als Journalist immer gesagt: „Mach dich nicht mit einer Sache gemein“. Dies gilt auch für negative und kritische Sichtweisen. Wie sah jedoch das Interview im Podcast aus? Der Interviewer, Markus Richter, machte keinen Hehl daraus, dass er das De-Mail-System komplett anlehnte. Dementsprechend waren nicht nur seine Fragen und Anmerkungen formuliert, sondern auch sein Reaktionen. Kaum war eine Sache unklar fing er an zu lachen oder sonst eine komische Bemerkung zu machen. Von journalistische Neutralität aus meiner Sicht keine Spur. Schon der Eröffnungssatz: „ich bekomme in Zukunft meine Knöllchen per De-Mail zugesandt“ zeigt, wie schon zu Beginn versucht wurde das Systeme anzugreifen. Niemand bekommt gerne Knöllchen, ob digital oder als Brief. Ähnliches gilt für die Interviewpartner Constanze Kurz und Jörg Pohle. Zwei Personen, die als klar ausgewiesene Kritiker des Systems aber auch als IT-Profis, unter anderem des CCC, gelten. Was passiert also wenn sich drei Kritiker auf einem kritischen Radiosender zum Interview treffen? Das darf sich jeder selber ausmalen. Ich hätte mir z.B. auch ein Vertreter der Gegenseite gewünscht, der seine Meinung äussern kann. Aber egal. Es geht um die Sache. Dazu muss an dieser Stelle angemerkt werden, dass das schnelllebige Internet in diesem Fall die Interviewpartner vermutlich überholt hat, denn am gleichen Tag hat die Post ein paar Sachen zu ihren AGB erläutert, die im Interview noch als fragwürdig oder unklar galten. Von dem her sind einige Sachen heute schon etwas klarer, die im Interview bemängelt wurden. Achtung: Ich sage an dieser Stelle deutlich, dass ich nicht den E-Postbrief oder die De-Mail verkaufen will. Aber kurz vor dem Interview wurden im Internet ein paar Sachverhalte aufgeklärt, die so wohl den Interviewpartnern zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht bekannt waren.

Doch jetzt zum Interview und den Punkten. Wichtig ist, dass es hauptsächlich um De-Mail und weniger um den E-Postbrief der Deutschen Post ging. Auch wenn diese beiden „unterschiedlichen“ System immer wieder gern vermischt wurden und auch von den Anrufern oft unsauber getrennt wurden. Ein paar Punkt sind mir aufgefallen.

Wann gilt das Einschreiben oder der Brief als zugestellt?:
Bei De-Mail gilt ein Brief nach 3 Tagen als zugestellt. Das ist bei beim Papier-Postbrief meines Wissens genauso. Bei beiden Zustellformen, wie auch beim E-Postbrief, ist es egal ob man im Urlaub ist. Der Brief liegt trotzdem im Hausbriefkasten und somit im Machtbereich des Empfängers. Ein Einschreiben gilt und da stützte ich mich auf ein Kommentar in meinem Blog von einem Piraten auch unabgeholt nach 3 Tagen als zugestellt. Auch wenn es noch bei der Post liegt. Ob dies ganz genau so stimmt kann ich nicht genau sagen (Sind Juristen im Raum?)(Wikipedia). Andere Quellen im Internet sagen, dass man ein Einschreiben immer abholen muss, sonst geht es zurück an den Absender. klar ist es bei Einschreiben mit Rückantwortschein. Das geht bei Nichtabholung immer an den Absender zurück. Wie ich auf einer Anwaltsseite gelesen habe gilt dies nicht für „bewusste Zugangsvereitelung“. Wenn ich den Inhalt kenne und die Annahme verweigere, weil es eine „schlechte Nachricht“ für mich ist, bin ich also nicht geschützt. Wenn man sich über Pflichten von De-Mail unterhält sollte man auch alle „Papier-Briefpflichten“ gegenüberstellen. Das wurde im Beitrag etwas husch husch (schnell) übergangen.
Beim E-Postbrief und vermutlich auch bei bald bei De-Mail gibt es übrigens auch ein Einschreiben mit Lesebestätigung (höherer Preis). Der Empfänger kann das Einschreiben erst lesen/öffnen, wenn er den Empfang manuell bestätigt hat. Somit ist der Ansender 1000%ig sicher, dass der Brief empfangen und gelesen wurde. Soviel zum technischen Aspekt.
Ausserdem wurde der BVG Entscheid „Rücksetzung in den Ausgangszustand“ angesprochen. Wenn ich beweisen kann, dass ein Schriftstück nie bei mir angekommen ist, kann man Fristen vom Gericht eventuell zurücksetzen lassen. Das war, so ich das verstanden habe, aber ein nachträgliches Urteil und stand nicht von Anfang an im Gesetz. Wer sagt, dass das bei De-Mail und Co. nicht auch mal kommt. Haus abgebrannt, PC kaputt und wegen Hartz4 kein Geld für einen Neuen usw. Da finde ich wird zu schnell geurteilt. Auch das De-Mail-Gesetz ist nicht in Stein gemeiselt und kann und wird vermutlich auch durch Präzedenzfälle „erweitert“.

Thema Wirtschaftsspionage:
Die Wirtschaftsspionage ist ein weit verbreitetes Übel. Aber ich finde man sollte bei der Kritik über De-Mail und den E-Postbrief immer trennen zwischen Fehler im System und der Umsetzung und illegalen Angriffen von aussen. Kritikpunkt war, dass durch De-Mail die Wirtschaftsspionage beflügelt würde. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass auch heute geheime Dinge ohne Sicherheitsbedenken über ungeschützt E-Mailkanäle laufen. Viele Benutzer wissen das nicht, oder es interessiert sie nicht. De-Mail unternimmt wenigstens den Versuch hier eine bessere Sicherheit gegen aussen zu setzen. Ob das gelingt ist wieder ein anderer Punkt. Aber die Wirtschaftsspionage ist auch heute schon da. Und teilweise auch mit richtigen Einbrüchen, Abhöraktionen, Hackern usw. Da wäre De-Mail nur ein Teilaspekt und keine exorbitante Steigerung wie das im Radiointerview meiner Meinung nach suggeriert wurde. Sicherlich ist bei weit verbreiteter Nutzung von DE-Mail die Chance gross, dass alle sensible Daten „auf einem Haufen“ liegen, Industriespione also „nur zugreifen“ müssen wie in einem Süssigkeitenregal. Dies ist dann aber auch eine Frage der Technik, welche weiter unten noch aufgegriffen wird.

Thema SPAM:
Da wurde im Interview und auch am Telefon meiner Meinung nach viel vermischt. SPAM-Filter, Firewalls, Freemail Anbieter usw. – alles in einen Topf geworfen und dann ein De-Mail Schildchen „draufgeklebt“. Meine leicht saloppe Formulierung gründet sich auf Ausführungen der Interviewpartner und der Anrufer. Ob man denkt, dass die beiden neuen System (De-Mail und E-Postbrief) für immer und ewig SPAMfrei bleiben, sei jedem selber überlassen. Ich finde man sollte die Fakten aufzählen. Und auch hier wieder zwischen Fehlern im System und illegalen Angriffen trennen. Wenn eine Firma mir ungefragte Werbung schickt, ist das SPAM und damit illegal. Ich kann diese Firma nun verklagen. Wenn ich einer Behörde meine De-Mail Adresse weitergeben ist das meine Entscheidung – die ich meiner Meinung nach auch Wiederrufen kann und immer nur für eine Behörde gilt.* Wenn ein Hacker einen Account knackt und mir Viagra-Werbung schickt, dann ist das ein Angriff von aussen. Wenn ein Anbieter (GMX, Telekom) mir Werbung schickt, kann ich ihn auch anzeigen und er fliegt vielleicht aus dem System. (AGB werden hier interessant)
Jetzt wurde das Argument gebracht, dass ich mich ja selber als De-Mail-Anbieter registrieren könnte. Sprich ich setzten einen eigenen Mailserver auf und durchlaufe alle Prüfungen um zum System zugelassen zu werden. Technisch durchaus möglich. Aber wie sehen die weiteren Schritte aus? Ich bin als Anbieter und vielleicht als einziger Nutzer (da ja mein eigener Server) komplett namentlich erfasst. Jede SPAM kostet, jede SPAM ist zurückverfolgbar, jede SPAM ist illegal. Ich zahle Geld fürs Verschicken, ich zahle Strafen, vielleicht sogar Entschädigungen und werde gesperrt. Ob sich das lohnt? Natürlich könnte ich vortäuschen, dass mein Server gehackt wurde, aber dann fliege ich wegen schlechter Technik ebenfalls aus dem System. Und ausserdem ist die Möglichkeit sich als Privatperson anzumelden im Moment nicht vorgesehen und es gibt auch im Moment keine Verlautbarungen ob und wann dies möglich sein wird.
Bleibt meiner Meinung nach der Angriff von aussen durch Hacker oder Phisher.
Was mich zum nächsten Punkt bringt.

Das Vertrauen zum Anbieter:
Als zwei weitere Punkte wurde das Registrierungsverfahren der Regierung (Zulassung der Anbieter) und das technische Know-How der Anbieter ins Spiel gebracht. Für den Interviewführer waren diese zwei Punkt klar negativ. Er vertraut weder der Regierung, dass diese die Anbieter richtig kontrolliert, noch das Anbieter wie Telekom, Stichwort Datenskandal, oder United Internet das Know-How haben den Zugang sicher zu gestalten. Das ist meiner Ansicht nach eine Frage, die jeder Nutzer sich selber stellen muss. Und das soll ja auch, zumindest bei De-Mail, der Markt regeln. Wer ist der bessere Anbieter? Welcher Anbieter hat das bessere Firmen-Image und welcher Anbieter geniesst das Vertrauen der Leute? Darum soll es ja mehrere Anbieter geben, die auch untereinander mit Zusatzdiensten, unterschiedlichen Preisen und vielleicht auch unterschiedlich starken „Hacker-Barrieren“ konkurrieren.
Aber jetzt ein provokante Gegenfrage: Warum macht die Piratenpartei nicht einen eigenen Server/Anbieter auf? Nach dem Motto: „Die Gesetze müssen wir leider einhalten aber für den Rest sind wir die Besten.“ Keine Datenskandale, keine Weitergabe der Daten, bestes Sicherheits-Know-How usw. Ich finde hier könnte die Piratenpartei sehr gut zeigen, dass sie technisch besser ist als andere Anbieter und vertrauenswürdiger was die Daten angeht. Sozusagen mit gutem Beispiel vorangehen. Ich würde mir ein Konto dort eröffnen und vielleicht sogar mehr bezahlen (Parteikasse für spätere Wahlkampagnen?) als bei anderen De-Mail-Anbietern. Eine automatische PGP Implementierung wäre auch denkbar.

Gegenargument PGP schon lange bekannt:
Provokante Frage: Wer ist PGP? Wo wohnt der?
Was ich damit sagen will. PGP ist im Moment nicht massentauglich, nicht rechtskräftig, wird von Ämtern nicht angeboten und ist somit „eigentlich“ nicht existent. Warum gab es bis jetzt keine rechtlichen Vorstösse oder Aktionen PGP in Rathäusern oder ähnlichem zu installieren? Ich habe OpenPGP kenne aber niemanden mit dem ich schreiben könnte. Und Verabredungen zum Kaffee muss ich nicht verschlüsseln. Wenn man die De-Mail im grossen Stil kritisiert, finde ich muss man sich auch die Frage gefallen lassen, warum man bisher keine Vorstösse gesehen hat PGP auch nur im Ansatz auf staatlicher Ebene einzuführen. Laut Interviewpartnerin benützen 20% ihrer Studenten PGP. 20% von vermutlich erfahrenen IT-Studenten. Das macht umgerechnet auf die Gesamtbevölkerung wieviel Prozent? Auch erkenne ich, wie oben beim Punkt Industriespionage, (noch) keine Sensibilität für das Thema in der Bevölkerung. Vielleicht sollte man mit Kampagnen auch hier einmal ansetzen?

Zusatzverschlüsslung De-Safe:
Da fand ich die Reaktion des Interviewführers interessant. Als erste sprach er die nicht sichere Verschlüsselung durch die Anbieter an und dann lachte er, als gesagt wurde, dass es eine optionale private Verschlüsslung gibt. Das kam für mich so rüber, dass man als erstes sagt, die interne Verschlüsselung sei nicht sicher und dann eine optionale Zusatzverschlüsslung als negativen Punkt „verkaufen“ will. Ja wie jetzt? Als erstes „Verschlüsselung Verschlüsselung“ schreien und dann eine optionale Zusatzverschlüsselung ankreiden? Das Widerspricht sich doch oder? Natürlich wäre eine sauber Verschlüsselung von Anfang an zu wünschen, aber wenn sie zusätzlich installiert werden kann ist das doch nicht negativ. Oder sehe ich das zu streng? Bitte nicht falsch verstehen. Die Werbung verspricht hier viel und das System hält wenig oder nur eine Teil davon. Aber die Reaktion des Interviewführers war etwas komisch aus meiner Sicht.

3mal falsches Passwort eingeben und der Zugang ist gesperrt:
Die Aussage war grob, dass wenn man in der Pilotphase von De-Mail 3mal sein Zugangspasswort falsch eingibt, man gesperrt wird und per Post ein neues Passwort geschickt bekommt. Diese Aussage ist falsch. Als Teilnehmer der Pilotphase (der selber 3mal sein Passwort falsch eingeben hat) kann ich sagen, dass es dann ein „Entsperrpasswort“ gibt, welches man zu Beginn der Registrierung per Papier-Brief zugeschickt bekommt. Gibt man dieses ein, hat man wieder 3 Möglichkeiten sein Passwort zu versuchen. Erst wenn man das „Entsperrpasswort“ 3mal falsch eingibt, bekommt man ein Neues. Das konnte zumindest in der Testphase etwas mit PIN und PUK beim Handy verglichen werden. Ob dieses System beim offiziellen Start beibehalten wird, kann ich nicht sagen.

Was mich zum nächsten Punkt bringt – Handy:
Das ist auch eine leicht komische Geschichte. Beginn wir am Anfang. De-Mail hat zwei Arten von Zugängen: einen „normalen“ Zugang mit Login und Passwort und einen „sicheren“ Zugang mit Login, Passwort und Handy-Tan (alternativ auch Tokken-Tan). Datenschützer hatten schon zu Beginn der De-Mail-Testphase bemängelt, dass der „normale“ Login nicht besonders sicher sei (Stichwort Phishing, Trojaner, Key-Logger etc.). De-Mail sollte doch darauf komplett verzichten und nur mit „sicherem“ Login mit Handy-Tan arbeiten, da man ein Handy normalerweise nicht abhören kann. Bei dem E-Postbrief wurde bemängelt, dass es nur mit Handy-Tan geht, „handylose“ Menschen also ausgeschlossen werden. Ja was denn jetzt? Mal so mal so.
Wenn ein Trojaner meinen PC ausspioniert, kann er durch die Handy-Tan „ausgetrickst“ werden, da der zugeschickte Code nur ein einziges Mal funktioniert. Der ausspionierte Login samt Passwort bringt dem Trojaner somit nichts. Dafür können „handylose“ Menschen sich nicht anmelden. Andererseits können Accounts, die mit der Handy-Tan geöffnet werden, auch nicht von bösen Phishern für SPAM missbraucht werden. Welche Vorgehensweise ist jetzt besser? Zugang für alle oder sicheren Zugang für Handybesitzer? Darüber hinaus gibt es bei De-Mail auch die Möglichkeit Mails mit „hohem Sicherheitslevel“ zu verschicken. Ganz sensible Daten, können so verschickt werden, dass der Empfänger sich mit Handy-Tan einloggen muss um diese zu lesen. Selbst wenn also per illegalem „normalen“ Login auf sein Konto zugegriffen wird, kann er Phisher die Nachrichten mit „hohem Sicherheitslevel“ nicht anschauen/lesen. (Quelle)

Sehr geehrter Leser und vielleicht auch sehr geehrter Interviewteilnehmer. Seit mehreren Wochen lese ich fast alles was zu diesem Thema durch die Twitterwelt und Blogssphäre geistert und suche, vielleicht auch unterbewusst, nach sachlich dargebrachten Kritikpunkten. Aber sehr oft werden interessante Punkte durch die Antwortformulierung so abgeschwächt oder so schwammig beantwortet, dass ich, selbst als eingelesener Internetnutzer, kaum weiss woran ich schlussendlich bin. Wie mag es da wohl dem unerfahrenen Leser gehen. Wo bleibt die sachliche Kritik, die genau trennt nach Fehlern im System, im Gesetz und illegalen Angriffen bzw. möglichen Angriffspunkten? Welche Gefahren gehen vom User selber aus und welche von der Regierung? Wo muss ich aufpassen und wo kann ich noch sicherer kommunizieren? Und zwar so, dass meine Mails auch gelesen werden können.
Wie immer gilt, dass ich gerne bereit bin dazuzulernen. Sollte ich also etwas falsch verstanden haben oder den Podcast falsch zitiert haben bitte ich um Korrektur.

* Eine De-Mail Freigabe für eine Behörde z.B. Einwohnermeldeamt soll laut Interview mit Dr. Uwe Schiel nicht für andere Behörden gelten. Nur weil man also seinen Pass verlängert, bekommt man nicht automatisch Knöllchen per De-Mail zugeschickt.

E-Postbrief – eine neutrale Pro&Kontra Liste

28. Juli 2010

Updates siehe unten!

Die Post hat sich auf Gutjahr.biz endlich zu Wort gemeldet und ein paar Dinge geklärt. Auch ich habe persönlich ein kleines Antwort-E-Mail erhalten (siehe unten). Da es aber immer noch heiß her geht um die Frage wie sicher und sinnvoll der E-Postbrief ist, habe ich versucht eine neutrale Aufstellung aller Punkt zu schreiben. Eine einfache Pro&Kontra Liste mit weniger Platz für Meinungen und Interpretationen schien mir hierfür am geeignetsten. Auch aus dem Grund, da ich selber noch nicht weiss, ob ich das Produkt überhaupt nutzen werden. Zu viele Punkte sind mir noch unklar und zu viele technische Details wurde bis jetzt auch noch gar nicht richtig erklärt. Auch wurde in letzter Zeit das Bashing unerträglich, darum hier einmal alle Punkte, die ich durch verschiedene Blogs und eigene Recherchen erfahren habe, sauber gegenübergestellt. Wer will darf sie gerne in den Kommentaren ergänzen. Ich bin mir durchaus bewusst, dass es eine 100% neutrale Sichtweise nie geben kann. Einen Versuch möchte ich trotz wagen:

Pro Kontra
Anmeldung:
Damit alle identifizierbar sind einmal mit kompletter Adresse und Post-ID notwendig Laut Stiftung Warentest zu komplizierter Ablauf (mehrere Schritte inkl. Post-ID)
Anmeldung mit Namen
Um rechtssicher zu sein notwendig, da der richtige Name bekannt sein muss Alle Kommunikation kann zurückverfolgt werden, da richtiger Name bekannt
Hauseigene Verschlüsselung
Auf Transportwegen verschlüsselt
(Laut zdnet.de ein TSL Verschlüsselung)
Laut Post auch auf Server durchgängig verschlüsselt. Kein Admin kann lesen. Mögliche Angriffsstelle für Hacker und Lauschangriffe der Regierung
(wie bei allen E-Mails/Servern laut TKG)
eigene Verschlüsselung (optional)
Zertifikat kann im Postfach angefordert werden Aus Auskunfts-E-Mail nicht ersichtlich ob PGP oder nur einfache Verschlüsselung (siehe unten)
Laut Post kostenlos Zertifikat muss von SIGNTRUST.de sein
(laut Post Auskunft aber kostenlos)
Abrufpflicht (Posteingang)
Sender weiss, dass Nachricht angekommen ist Zwang für den Kunden (wie Haus-Briefkasten?)
Auch im Urlaub abrufbar (Web) Laut AGB muss man auch im Urlaub abrufen
Auch der Haus-Briefkasten muss geleert werden (Gleichstand?) Login darf laut AGB nicht weitergegeben werden
Urlaub schützt weder bei E-Post noch bei Haus-Briefkasten vor Fristen (Gleichstand?)
Laut Post doch nur eine „unverbindliche Aufforderung“. Also doch halb so schlimm?
Kostenlose SMS auch im Urlaub (Roaming) Handyempfang + Roaming notwendig
Mitleserecht durch den Staat
Strafverfolgung möglich auch um andere Nutzer zu schützen (z.B. SPAM und Betrug)

Laut Post sehr enge Grenze wer darf und wer nicht.

Angst vor Abhörstaat, da kein Richterbeschluss notwendig wie bei Briefgeheimnis. E-Postbrief unterliegt TKG und TKÜV.
Gegenzitat Post: „Hierzu ist immer ein gerichtlicher Beschluss notwendig. Das gilt für Briefe genauso wie für E-Mails oder E-POSTBRIEFe.“
Man darf keine Nachrichten verschicken die der Post bzw. dem Ruf schaden
Vermutlich ein Papiertiger ohne greifbaren Inhalt. Zensur???
Wer kontrolliert das? Liest Post mit? E-Postbriefe sind jedoch durchgängig verschlüsselt.
Briefgeheimnis
Zitat Post: Die jeweiligen Gesetze setzen sehr enge Grenzen und es ist klar geregelt, welche staatliche Stellen befugt sind und unter welchen Voraussetzungen sie dies tun können. Keinesfalls kann bei einem Anfangsverdacht jede Ermittlungsbehörde das Brief- oder Telekommunikationsgeheimnis brechen. Hierzu ist immer ein gerichtlicher Beschluss notwendig. Das gilt für Briefe genauso wie für E-Mails oder E-POSTBRIEFe.“ Zitat Post: „Der E-POSTBRIEF als elektronisches Medium unterliegt laut Gesetz den Bestimmungen des TKG und der TKÜV.“

Nach Meinung der Juristen ist der E-Postbrief rechtlich damit genauso gut oder schlecht geschützt wie eine normale E-Mail. Jetzt darf jeder User selber entscheiden ob ihm das gefällt oder nicht.

Adressverzeichnis (Eintrag freiwillig)
Man findet andere Teilnehmer Firmen, welche die Hausanschrift des Kunden bereits besitzen können E-Post Adresse erfragen/abgleichen.
(Unangeforderte Mails sind SPAM und damit strafbar. Vielleicht fragen die Firmen dann kurz an, ob Kommunikation über E-Post erfolgen kann. Bleibt abzuwarten)
SPAM ist illegal und kostet Geld
(kann dadurch vielleicht verhindert werden)
Newsletter o.ä. sind freiwillig und werden von der Dt. Post und nicht von Dritten verschickt.
Backup Speicherung
3 Monate Backup, damit Kunde nach Kündigung seine Daten noch selber exportieren kann.
Manuell gelöschte Briefe werden nach wenigen Minuten auch aus dem Backup gelöscht und sind laut Post damit komplett gelöscht.
Brief werden für 3 Monate gespeichert (Laut Post nur bei Kündigung)
Innerhalb von 3 Monaten kann Kündigung Rückgängig gemacht werden und alle Daten wiederhergestellt werden. Wird die Dienstleistung „Backup“ überhaupt angeboten für den Kunden oder speichert Post nur sich sich? Können einzelne Mails wiederhergestellt werden?
Argument: Auch beim Absender (Bank, Firma etc.) wird eine Kopie des Briefs gespeichert Gegenargument: Es ist ein Unterschied ob der Absender eine Kopie hat oder der „Postbote“
Argument: Daten/Korrespondenz bei Behörden (Finanzamt etc.) werde sowieso gespeichert. Auch bei normalem Brief. Gegenargument: Speicherung eventuell auch von privaten Arzt-Daten, Versicherungen und anderen sensiblen Daten.
Preis
Verhindert hoffentlich SPAM Für viele Kunde zu teuer (Ansichtssache?)
Kostenlose SMS bei Eingang (noch?) gleicher Preis wie richtiger Brief
Günstiger als Brief wenn Papier, Tinte und Fahrkosten mit eingerechnet werden. Dürfte bei privat eher zu vernachlässigen sein
Handynummer Registrierung
Handy TAN für Sicherheit Noch mehr Daten werden gespeichert
Kostenlose SMS bei Eingang möglich Wer kein Handy hat kann sich nicht anmelden
Hybridbrief
Weniger Arbeit und weniger Kosten (Briefumschlag, zur Post fahren etc.) Ist Datenschutz gegeben? Wer kann ihn beim ausdrucken lesen? Briefgeheimnis?
Kann auch an Leute ohne E-Post geschickt werden (Oma, Opa etc.) Preis bei grösserem Brief noch höher
PDF ausdrucken/mitschicken
Fax:
Kostenlos senden und empfangen Werden diese auch verschlüsselt abgelegt?
Fax ausdrucken oder als PDF speichern Rechtsgültig auch wenn nicht unterschrieben?
Stichwort Handy kündigen o.ä.
Externe E-Mailadressen einbinden:
Mit dem E-Postbrief Postfach gleich mehrere Accounts verwalten. Es werden auch diese Daten gespeichert und können eventuell abgeglichen werden.

Offene Fragen bleiben aber trotzdem:
Wenn ich einen individuell verschlüsselten Brief verschicke und der Empfänger entschlüsselt ihn auf dem Server, wird dann der E-Postbrief nicht doch im Klartext gespeichert? Ist somit eine individuelle Verschlüsselung sinnlos? Kann ich den Brief downloaden und auf dem (sicheren?) PC entschlüsseln?

Hier die Auskunft der Post per E-Mail:

Sie können das Zertifikat direkt in Ihrem persönlichen Portal bestellen

- Dieses wird nach ca. 1 Woche zugestellt. Kosten hierfür fallen nicht an
- Für die Versendung innerhalb des Portals fallen nur die üblichen Portogebühren an.
- Der Empfänger benötigt unter Umständen Ihren “Schlüssel”. Diesen müssen Sie Ihm entsprechend zusenden.
- Strafverfolgungsbehörden haben auf richterliche Anordnung Zugriff auf Daten, gemäss den gesetzlichen Vorschriften des Telekommunikationsgesetztes.

Ihre Passwörter kennen nur Sie und werden niemandem zugänglich gemacht.

An die Technik-Asse: Wie ist das E-Mail hinsichtlich Verschlüsselung zu verstehen? Einfache Verschlüsselung? Kein PGP? Oder doch? Wie lest ihr das?

Wichtig: Ein Teil der Informationen stammen von anderen Blogs, auf die ich per Twitter oder Google gestossen bin. Die Links finden sich bereits in älteren Artikeln. Ich habe sowohl die Artikel wie auch die Kommentare zusammengemischt und mit eigenen Recherchen ergänzt. Nicht alles ist also direkt von mir.
Ausserdem erhalte ich kein Geld oder ähnliches hierfür und war immer bemüht auch die negativen Seiten zu erwähnen. Sollte ich etwas vergessen und falsch weitergegeben haben bitte ich um sachliche Korrektur. Danke

zusätzliche Quellenauswahl:
http://blog.talkabout.de
2ter Gutjahr Artikel – Der E-Postbrief: Post Scriptum

Update:
Auf der Pro Seite könnte man auch noch die Öffnungszeiten aufführen. (siehe http://blog.artundweise.de)

Update II:
Aus dem Ausland könnte man Briefe in die Heimat senden, die dann auch wirklich ankommen. Auch Photos könnte man als “Farbbrief” verschicken und so eine Art Postkarte “vortäuschen”. Da alles in Deutschland verschickt wird, kommt die Postkarte und der Brief auch aus dem afrikanischen Busch innerhalb von 1-3 Tagen an und das sogar mit Photo. Quelle
Eigene Anmerkung: In diesem Fall wäre ein Smartphone-Zugang vielleicht ein Punkt (teures Roaming?). Aber erstmal sind andere Fragen wichtiger.

Update III:
Wie Frank Wallitzek auf Twitter berichtet sind beim Speichern und erneuten Aufrufen eines Entwurfsbriefs im Nachhinein und automatisch Farbdruck und C4-Umschlag aktiviert. Was natürlich extra kostet. Liebe Post: “Das ist doch echt nicht nötig.” (siehe auch Screenshot). Wurde aber bereits an die Technik weitergeleitet.

Author: Bätschman Categories: Allgemein, De-Mail vs. Onlinebrief Tags:

Neues Widget: Zukünftige Artikel

27. Juli 2010

Seit langem überlege ich mir für meine Leser eine kleine “Was euch bald
hier erwartet Box” einzurichten. In wenigen Worten wird ab heute angezeigt über
welche Artikel ich gerade nachdenke und zu welchem Thema ich gerade
recherchiere. Sicherlich ist mir bekannt, dass ich keine tausend Leser am Tag habe, aber vielleicht ist es doch ein Schritt mehr in Richtung Dienstleistung. Und ausserdem gilt immer noch goldene Regel: My Blog is my Castle ;-)

Author: Bätschman Categories: Allgemein, Wordpress und Co. Tags:

De-Mail und E-Postbrief werden immer wieder verwechselt

27. Juli 2010

Schon interessant. Hunderte von Quellen bei Twitter, im Internet und sogar bei Stiftung Warentest vergleichen die “Konkurrenzprodukte” De-Mail und E-Postbrief. Unzählige Seiten und Kommentare beschäftigen sich mit den Schwächen. Und immer wieder gibt es bei Twitter und in den Kommentaren Personen die beide Systeme entweder miteinander verwechseln oder in den gleichen Topf werfen. Jetzt frage ich mich, ob hierbei die Trennlinie wirklich zu schwach gezogen ist, oder ob sich die Leute einfach keine 2 Minunten bei Google und Co. informieren bevor sie twittern oder Kommentieren. Gerade bei den Kommentare in manchen Blog könnte man meinen, die Kommentatoren haben nicht einen Satz zu dem Thema gelesen. Wild werden Spekulationen veröffentlicht oder schlicht Zahlen und Fakten vom einen System dem anderen System zugeschrieben.
Natürlich hat jeder das Recht auf seine Meinung aber hierbei knüpfe ich auch wieder an meinen vorherigen Artikel DE-Mail und E-Postbrief – Chaos dank Twitter und Web 2.0 an (Kommentare bitte dort).
Kritik wird solange ohne Folgen respektive Veränderungen bleiben solange sie nicht professionelle mit Fakten sondern mit Polemik untermauert wird. Erst wenn ein Koordinierte und sachliche Kritik erfolgt wird sich vielleicht etwas ändern.

DE-Mail und E-Postbrief – Chaos dank Twitter und Web 2.0

26. Juli 2010

Beginnen will ich den Artikel mit einem schlechten Kalauer:
Ein Gespenst geht um im Web 2.0. Das Gespenst vom E-Postbrief.
Und wie beim Originalzitat habe ich manchmal das Gefühl im Web 2.0 ein Auseinandersetzung vorzufinden, die mit gleicher Inbrunst und mit gleicher Schärfe geführt wird wie eine politische oder religiöse Debatte.

Blutsfede statt Aufklärung:
Piraten und „Staatsverweigerer“ schreien Mord und Zetere beim Gedanken daran im Internet per E-Postbrief und De-Mail identifizierbar zu sein. Befürworter schreiben von den guten Seiten der rechtssicheren und rechtsverbindlichen Kommunikation. PGP-Anhänger beschweren sich über der Preise und die fehlende technische Sicherheit im Bereich der Verschlüsselung. Anwälte und Juristen wiegen verschiedene Gesetze und Rechtsvorschriften gegeneinander ab.
Die Gegner betiteln die Befürworter als gekauft oder blind. Die Befürworter unterstellen Gegnern und Kritikern Paranoia. Firmen werden kritisiert. Kritiker werden ebenfalls kritisiert. Rückkritiker werden rückkritisiert. Kritisierte Rückkritiker werden erneut kritisiert usw.
Wie bei vielen emotionalen Themen erinnert die Auseinandersetzung mit dem Thema eher einer digitale Blutsfede als an eine Durchleuchtung und sachliche Klarstellung der Fakten.

Chaos dank Twitter und Co.:
Auf Twitter wurde geschrieben, dass es durch die unterschiedlichen Produkte De-Mail und E-Postbrief zum Chaos für den Benutzer käme.
Was wirklich Chaos verursacht sind die polemischen und persönlichen Blogeinträge und Kommentare (die Kommentare in manchen Blogeinträgen sind teilweise wichtiger als die Einträge selber). Will man sich als unsicherer und eventuell zukünftiger Nutzer der beiden Systeme ein Bild davon machen, muss man sich durch eine kaum zu überschauende Zahl an Einträgen und Kommentaren wühlen. Aber nicht die Anzahl ist das Schlimme sondern die Formulierungen (wieder inklusive der Kommentare). Je nach Autor möchte man entweder sofort die nächste Poststelle „abfackeln“ oder die nächste Postdame heiraten. Gemässigte und sachliche Beiträge findet man kaum und wenn, dann werden sie in den Kommentaren auseinander genommen. Oft hat man das Gefühl, dass im Web 2.0 eine (versuchte) neutrale Sichtweise einer Firma von manchen Kritikern als PR ausgelegt wird. Bei manchen Sachen traut man sich kaum dafür zu sein, aus Angst man löst eine Welle der Entrüstung aus. Ganz nebenbei. Freie Meinung schliesst auch das Recht mit ein für etwas zu sein. Nicht nur Protest und Kritik.

Verschiedene Quellen und verschiedene Meinungen:
Richard Gutjahr hat auf einem durch Twitter weit verbreiteten und vielleicht über tausendmal gelesenen Artikel die seiner Meinung nach verehrenden AGB’s der Deutschen Post auseinander genommen. Seiner Meinung nach bürden die AGB’s, welche man als Kunde ja akzeptieren muss, dem Nutzer unmenschliche und fast schon rechtswidrige Pflichten auf. Auch Netzpolitik.org und Daten-Sicherung.de werden nicht müde die negativen Seiten der Systeme zu unterstreichen, die von Preisen über Verschlüsselung bis hin zu Abhörmassnahmen durch den Staat reichen. Vielen Leser und Kommentatoren sprechen die Artikel dabei aus der Seele. Sie fühlen sich in ihrer Sichtweise bestärkt, dass beide Systeme von Grund auf schlecht und zu verachten sind. Und wie bei Religionsdebatten scheuen sie manche auch nicht ihre Meinung in die Weiten des Web 2.0 hinaus zu schreien und Meinungsgegner anzugreifen und der Käuflichkeit zu bezichtigen.
Mirko Lange hat hat auf Talkabout eine sehr interessanten Artikel (ich sage nicht gut oder schlecht) zum Thema „Shitstorming“ geschrieben. Darin beschreibt er wie Kritik an einem Produkt oder an einer Firma sich zu einem Sturm entwickeln kann, der am Ende eigentlich kaum noch etwas mit sachlicher Kritik zu tun hat. Nebenbei ist der Artikel auch von der medienwissenschaftlichen Seite her sehr interessant. Auch sein Versucht etwas mehr Sachlichkeit (siehe die einzelnen Punkte) in die Debatte zu bringen wird in den Kommentaren angegriffen.

Unbeantwortete Fragen:
Dennoch bleib zumindest für mich und vielleicht auch für ein Grossteil der Leser die Grundlegenden Fragen unbeantwortet. Was sind die Fakten und die reellen Auswirkungen auf mich als Kunde, auf meine Daten und als freier Bürger.
Wie immer bei heiß geführten Debatten werden die Fakten nebensächlich. Was steht im Gesetzt und was steht in den AGB’s? Für mich zwei total unterschiedliche Ansatzpunkte. Das eine ist ein Gesetzt vom Staat, dass andere die „Vertragsbedienungen“ einer Firma. Welche Paragraphen sind für mich als Endkunde wichtig? Muss ich wirklich meine E-Postbrief Postfach täglich leeren oder sichert sich die Post mit dieser Formulierung nur selber vor Rechtsansprüchen ab? Darf der Staat meine Korrespondenz mitlesen und wie oft ist das bereits vorgekommen? Ist das „Abhörrecht“ ein Problem von De-Mail und E-Postbrief oder einfach ein Problem der kompletten deutschen Rechtssprechung? Sind die Systeme jetzt eigentlich E-Mails oder am PC verfasste Briefe? Diese Liste könnte fast unendlich vorgesetzt werden. Und je nach gelesener Quelle findet man andere Antworten. Natürlich ist es auch Fakt, dass zu gewissen Punkten im Moment einfach niemand genau weiss, was die Zukunft bringen wird. Im Moment gibt es noch keine Rechtsurteile und keine Beispielfälle, auf die man sich als Präzedenzfälle stützen könnte. Somit hängt vieles noch in der Luft.
Doch bei allen von mir gelesenen Artikeln und Kommentaren höre ich im Hinterkopf immer den Focus Chefredakteur aus der TV-Werbung. „Fakten, Fakten, Fakten und immer an die Leser denken“. Doch irgendwie scheinen mir ein Grossteil der Autoren dies zwar vorzugeben aber kaum zu machen. Sicherlich sind zur Vorsicht mahnende Artikel absolut sinnvoll. Wenn diese aber unreflektiert weitergetragen werden, Vermutungen nach ein paar Tagen zu feststehenden Fakten werden (auch Dank Twitter und Beschränkung auf 140 Zeichen und damit zusammenhängende Verstümmlung der Grammatik wodurch aus „könnte“ schnell ein „ist so“ wird) und dann immer auf die gleiche Kerbe eingedroschen wird, bringt das niemand etwas ausser denjenigen, welche die Kerbe schon von Anfang an gesehen und beackert haben.

Blogeintrag oder offener Brief?:
Eigentlich könnte man diesen Beitrag auch als offenen Brief an die Web 2.0 Schreiber und De-Mail bzw. E-Postbrief Blogger nennen. Als ich Anfang Oktober 2009 angefangen habe über De-Mail und den E-Postbrief (damals noch Onlinebrief) zu schreiben waren die Reaktionen in den Blogs und auf Twitter minimal bis kaum vorhanden. Obwohl schon damals zwar nicht alle aber dennoch einige Punkte über die heute mit religiösem Eifer gestritten wird zumindest im Ansatz ersichtlich waren. Doch damals schien das irgendwie niemanden gross „gejuckt“ zu haben. Nur ein paar Kritiker meldet sich mit den üblichen Warnung vor einem Georg Orwell Staat zu Wort. Kaum jemand machte sich die Mühe Fakten, Gesetze und AGB’s (soweit diese damals überhaupt vorhanden waren) zu durchsuchen.
Heute wird zwar jeder Paragraph auseinander genommen, aber schlauer wird der unsichere Nutzer dadurch kaum.
Sicherlich könnte man an dieser Stelle sagen, so läuft das eben mit dem Web2.0. Leute, auf die früher ausserhalb des Stammtisches keiner gehört hat dürfen jetzt fröhlich ihre „Weisheiten“ per Twitter und Kommentarfunktion unters Volk streuen. Richtiger werden diese „Weisheiten“ dadurch kaum.
Vielleicht ist das Thema und jeder einzelne Paragraph und AGB-Punkt auch viel zu komplex um es mit nur einem oder zwei Blogeinträgen zu behandeln. Ein Argument warum auch Zeitungsartikel zu diesem Thema „für die Katz sind“. So komplex und vielschichtig wie das Thema ist, könnte man einen eigenen Blog damit füllen. Vielleicht wäre dies ein Ansatzpunkt. Man eröffnet einen Blog in dem jeder einzelne Punkt von Rechtssicherheit über Preis bis hin zu Farbe der Webauftritte im einzelnen behandelt wird. Somit könnte Punkt für Punkt aufgesplittet werden. Aber wer macht sich schön die Mühe dort zu schreiben und welcher Leser findet den Blog im weiten Internet. Es bleiben also die Blogs der Multiplikatoren, die Tweets der Piraten, Gegner und Befürworter.
Der suchende Leser muss also weiterhin seinen Weg durch ein Labyrinth der Meinungen bahnen.